June 22, 2013

Zensur im Iran...

Abbas Maroufi, 
Zensur im Iran. Der Bankrott des Verlagswesens

Buchtage Berlin 
Eröffnung, Berliner Congress Center (bcc) 
Donnerstag, 20. Juni 2013 

 

[Drei Mal wurde der Iran im Laufe seiner Geschichte vernichtend geschlagen: Erstmals durch Alexander den Großen, dann durch die Araber und schließlich durch die Mongolen. Bei diesen Angriffen wurden Bücher in so weit reichendem Ausmaß verbrannt, dass kein Buch verschont blieb, kein Text überliefert wurde und die kulturelle Bindung des jeweils betroffenen Volkes an seine Vorväter, an seine Vergangenheit abriss.

 

Auch wenn es kaum zu glauben scheint, ist es wahr: Seit der Iran eine islamische Republik ist, seit 33 Jahren also, erleidet das Buch ein Schicksal, das noch viel verheerender ist als die Bücherverbrennungen von einst. Die Kulturbeauftragten des islamischen Regimes haben in jeder Amtszeit nach eigenem Belieben und Geschmack in die Literatur eingegriffen und sie zerstört. Viele Bücher werden zensiert, ,frisiert’, manipuliert.

Wurde Zensur in den Anfängen noch im stillen Kämmerlein und mit leisen Tönen ausgeübt, so geben die zuständigen Beamten nun schon seit Jahren offiziell und unverblümt ihre Anweisungen. Zensur, Streichungen, Kürzungen haben das Verlagswesen im Iran in den Ruin getrieben. Ich kenne Verleger, die auf die Druck-Erlaubnis für über einhundert Titel warten. Altgediente Verlage, deren gesamtes Vermögen auf dem Spiel steht, weil es von derlei Genehmigungen abhängt.

Auf der jüngsten internationalen Buchmesse in Teheran, im Mai 2013, waren wissenschaftliche Verlage und Ayatollahs vertreten. Den meisten traditionsreichen Verlegern war die Teilnahme an der Buchmesse untersagt worden.

Die vom Geschmack der Herrschenden geprägte Zensur hat das Verlagswesen im Land vernichtet. Die Zensur erstreckt sich sogar auf Papier. Denn das Monopol auf dessen Import und Verkauf hat der Sohn des Landesführers. Es gab Zeiten, in denen Papier rationiert war. Damals traten 7.000 Personen offiziell dem Verleger-Verband bei. 7.000 Leute wurden zwar Verleger, verlegten aber keine zwei Bücher pro Jahr. Sie haben einfach nur ihr Papierkontingent auf dem freien Markt verkauft und sind Millionäre geworden.

 

Man löst etwas aus der Gesellschaft heraus. Das fängt damit an, dass man Kunstobjekte und Skulpturen von Plätzen in Großstädten entfernt. Es geht weiter mit Eingriffen in die Werke von Schriftstellern und Dichtern und macht auch vor den Klassikern nicht Halt, mit denen Leben und Seele der Iraner seit Jahrhunderten eng verbunden sind. Alle, alle treten sie von der Bühne ab, verschwinden entweder ganz von der Bildfläche oder werden durch Zensur und Manipulation bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

 

Die Kampfmaschinerie der islamischen Machthaber hat keine Augen, sie sieht nichts, und sie hört auch nichts, außer dem grauenvollen, ohrenbetäubenden Lärm ihres eigenen Räderwerks. Tagein tagaus ist sie unterwegs, sammelt alles ein, was mit Kultur und Literatur zu tun hat und entsorgt es. Vor wenigen Monaten erst wurde eine uralte christliche Kirche in der Stadt Kerman nachts dem Erdboden gleichgemacht.

Das islamische Regime vertritt in erster Linie die Auffassung, dass Künstler und Kulturschaffende zur Unterstützung und Bestätigung der Herrscher da sind. Andernfalls haben sie sich Unannehmlichkeiten und Einschränkungen aller Art selbst zuzuschreiben. So unterschiedlich die islamischen Regime waren, die das Land in den letzten 33 Jahren jeweils verwaltet haben, so unterschiedlich war auch ihre Politik der Zerstörung von Kunst und Kultur.

 

In der Amtszeit von Haschemi Rafsandschani, deren Opfer ich, neben anderen war, wurden Zeitungsverlage in großem Stil geschlossen. Einmal entzog man mir zusammen mit 47 Kollegen die Verlagskonzession, ein andermal schlug man mein Büro kurz und klein, und nach der Verleihung eines Literaturpreises in den Geschäftsräumen meiner Zeitschrift Gardoon fing man mich abends ab und verprügelte mich bis in die frühen Morgenstunden.

Zu guter Letzt wurde ich im Winter 1996 als Autor und als Herausgeber  einer Zeitschrift zu Peitschenhieben und einer Haftstrafe verurteilt, man erteilte mir Schreibverbot und entzog meinem Verlegerverband die Lizenz, für immer. Am Tag der Urteilsverkündung sagte mir einer der Geschworen ins Gesicht: „Außer Gardoon werden wir noch hundert andere Zeitschriften verbieten.“

Dieses oder ein ähnliches Schicksal teilten damals viele Kollegen mit mir. Huschang Golschiri, der berühmte iranische Autor, sagte mir damals: „Ich hab meinem Mörder schon drei Mal ins Gesicht gesehen.“ Damals begannen die Serienmorde, und damals brachten Untersuchungsrichter uns Schriftsteller um unser Leben. Ali Akbar Sa‘idi Sirdschani, Lyriker, Hochschulprofessor, Koran-Übersetzer, kam in jener Zeit im Gefängnis durch Kalium-Zäpfchen um.

 

In der Amtszeit von Khatami wurde zwar viel publiziert, und es herrschte scheinbar relativ viel Freiheit. Doch die Zensurmaschinerie fuhr fort mit ihrem Werk, sie überrollte ein Buch nach dem anderen. Die Regierung sah sich hohem Druck ausgesetzt und hatte in Sachen Zensur besondere Strategien auf Lager. Es kamen viele Bücher auf den Markt, und es wurden viele Filme gemacht - doch die Zensurbehörde konnte oder wollte man nicht schließen. Man übte Zensur mit zarter Hand, zog Bücher mit einem Lächeln aus dem Verkehr oder verhängte diverse Einschränkungen. In jener Zeit wurde auch einer meiner Romane verboten. Dennoch herrschten damals bessere Zeiten als heute.

 

Mit dem Amtsantritt von Mahmud Ahmadineschad kam der Rückschritt in die Anfangszeiten der Revolution. Zurück in die Zeiten von Chaos, Schlachtrufen und einprägsamen Parolen. Damals wurde die Lüge zur Kunst erhoben. Der Präsident log in aller Öffentlichkeit. Der Revolutionsführer log, die Minister logen, Lügen auf allen [Fernseh]-Kanälen. Und in diesem Lügen-Wirrwarr wurde das Land in die Irre geführt. Verlogene Worte, verlogene Taten. So fuhr der Präsident zum Beispiel zur Eröffnung einer Autobahn; die Zeremonie wurde gefilmt, es wurden schöne Fotos gemacht. Doch bald stellte sich heraus, dass man nur fünf Kilometer Straße angelegt hatte, um der Bevölkerung vorzugaukeln, man arbeite - für sie.

 

Auch das scheint unglaublich, doch die Wahrheit ist, dass die jetzige Regierung die Vorgänger-Regierungen, trotz gleicher Prägung, nicht anerkennt. Unter Ahmadineschad hat das Ministerium für Kultur und islamische Führung, Wezârat-e Erschad - das unter früheren Regierungen gleicher Prägung bestimmte Bücher erlaubt hatte -, diese Bücher erneut unter die Lupe genommen und viele davon verboten.

Verleger sagen, dass sie, um die Druck-Erlaubnis für ein Buch zu bekommen, zunächst die von der Vorgänger-Regierung erteilte Genehmigung zurückgeben und unter Umständen jahrelang auf eine neue Lizenz warten müssen.

Mein Verleger im Iran sagt, man habe die 41. Ausgabe der Symphonie der Toten verboten. Das Buch liegt seit zwei Jahren druckfertig bereit, doch das Erschad verweigert die Erlaubnis zur Auslieferung. Diese Situation hat nicht nur Nachteile. Wer gute Beziehungen zum Erschad hat, druckt verbotene Bücher und verkauft sie auf dem Schwarzmarkt.

So unermüdlich die Schriftsteller und Verleger in den letzten Jahren auch aktiv waren, ihre Mühe war vergebens. Obwohl die Regierung Ahmadineschad den Kurosh-Zylinder von London nach Teheran geholt hat, der oft als die erste Menschenrechts-Charta bezeichnet wird, trotz aller Fotos von diesem denkwürdigen Moment, trotz all ihres Geredes von Iranität und Kultur, trotz all ihrer schönen Worte ist sie die Regierung, die der Literatur und der Kultur des Iran den verheerendsten Schlag versetzt. Nie zuvor wurden Kunst und Literatur so nachhaltig unterdrückt wie heute.

In den acht Jahren, die diese Regierung nun im Amt ist, passiert es in Großstädten wieder und wieder, dass nachts Bulldozer anrollen und schweres Gerät zum Einsatz kommt, um Skulpturen aus ihren Verankerungen zu reißen und sie an unbekannten Orten verschwinden zu lassen. Tags darauf stellt man sich regelmäßig ahnungslos. Jedes Mal scheinen hier Marsmenschen am Werk gewesen zu sein. Viele dieser Wahrzeichen sind Statuen berühmter Persönlichkeiten aus der Geschichte des Iran. Auch die von Arasch, dem Bogenschützen, der einst in einem Krieg mit einem einzigen abgeschossenen Pfeil die Grenzen seines Landes festgelegt hat.

So wie die Regierung Ahmadineschad des nachts Hand anlegt, um Werke von Bildhauern zu zerstören, kümmert sich sein Minister für Kultur und islamische Führung Tag und Nacht um die Streichung und Zensur literarischer Werke. Ohne Unterlass. Mit aller Kraft und allem Eifer. Folglich haben in den letzten Jahren im Schatten dieser Ereignisse tausende und abertausende Schriftsteller, Lyriker, Maler, Bildhauer, Musiker und Journalisten den Iran verlassen. Und viele weitere suchen nach Fluchtwegen ins Ausland, das weiß ich.

In den vergangenen zwei Jahren haben über zweihundert Buchhändler im Iran den Beruf gewechselt. Verleger gingen bankrott, Buchhändler mussten ihr Geschäft aufgeben, Schriftsteller sind frustriert und gereizt.

 

Vor Jahren habe ich in Berlin einen Verlegerverband gegründet, um die Werke iranischer Autoren im Exil zu verlegen. Schon seit Jahren aber erreichen mich hauptsächlich Werke junger Autoren aus dem Iran selbst. So bin ich zum Verleger von Nachwuchs-Autoren im Iran geworden. Weil man ihnen in der Heimat die Erlaubnis zur Veröffentlichung verweigert, weil sie sich der Zensur nicht unterwerfen, Eingriffe in ihre Texte nicht hinnehmen wollen, bringen sie ihre Werke im Ausland heraus.

Laut Erschad gilt: Wer ein Buch vorlegt, das von der Zensurbehörde geprüft werden muss, muss damit rechnen, dass man seine Verlagslizenz für drei Monate suspendiert. Das macht viele Verleger gezwungenermaßen zu Handlangern der Zensoren, indem sie aus Angst vor wirtschaftlichem Schaden Druck auf ihre Autoren ausüben.  So ist Selbstzensur unter Schriftstellern und Verlegern inzwischen an der Tagesordnung, normal.

 

Politische Nachrichten finden heutzutage ihren Weg ins Land, auch durch das kleinste Schlupfloch noch. Was aber nicht ins Land gelangt, worauf die Menschen keinen Zugriff haben, weil man ihnen sämtliche Wege versperrt hat, das sind Literatur und Kunst.

Nach Aussage iranischer Verleger bekommen über 5.000 Bücher, meist schöpferische Werke, schon seit Jahren keine Druckerlaubnis mehr. Die für Kultur zuständigen Beamten der Islamischen Republik haben es nicht nur auf die zeitgenössische Literatur abgesehen. Ihnen sind seit Jahren auch die Klassiker der iranischen Literatur ein Dorn im Auge. Mal vergreifen sie sich an einem über tausend Jahre alten Werk und schreiben es um. Mal verbieten sie ein Werk gleich ganz. Oder sie machen den Verleger zu ihrem Werkzeug und legen ihm nahe, einen Text wunschgemäß anzupassen.

Von einem Verleger verlangten sie zum Beispiel, Laili und Madschnun umzuschreiben, den berühmten Liebesroman des großen Dichters Nizami Gandschawi, der seit achthundert Jahren nicht nur unsere Literatur- sondern auch unsere Kulturgeschichte prägt.

In Anbetracht all dessen konnte ich letztes Jahr nicht umhin, dem Vertreter der iranischen Zensurbehörde auf der Frankfurter Buchmesse zu sagen: „Es wird nicht mehr lange dauern, dann zensieren Sie auch den Koran noch.

Im Koran wird ein Ereignis mit Joseph fast wie eine Romanze geschildert: Suleika nähert sich dem jungen, attraktiven Joseph so stürmisch, dass der die Flucht ergreift. Dabei reißt sein Hemd im Rücken, und Suleika behält einen Fetzen Stoff aus dem Gewand in der Hand. Joseph flieht.

Während ein diktatorisches Regime Intellektuelle, Schriftsteller, Kulturschaffende zu Rückzug, Isolation und Schweigen zwingt, wünscht sich das totalitäre, insbesondere das islamisch geprägte Regime Intellektuelle, Schriftsteller, Künstler, die ihm gehorsam und beflissen zu Diensten sind. Die oberste Parole gibt natürlich der Revolutionsführer aus. Ayatollah Khamene’i ist sehr daran gelegen, regierungstreue Dichter persönlich zu empfangen. Und so gibt er sich mehrmals im Jahr die Ehre, um deutlich zu machen, was er von ihnen erwartet: Lobeshymnen auf die Regierung. In einer solchen Runde forderte er beispielsweise: „Sprechen Sie für die Revolution. Rücken Sie die Revolution ins rechte Licht. Das ist heute die Pflicht eines jeden Dichters …“

 

In jener Runde bezeichnete er die Dichter und die Lyrik aus der Zeit der Revolution als die größte Epoche der Dichtkunst in der iranischen Geschichte. Dieser totalitäre Führer weiß um den Nutzen von Dichtkunst und Erzählung. Er weiß sehr wohl, dass Gesicht, Ansehen, Schaffen und Wirken seiner Regierung nicht in Geschichtsbüchern besungen werden, sondern dass die Literatur haarklein von ihren Verdiensten berichtet und sie der Nachwelt überliefert. Er weiß nur zu gut: Wer über den Umgang der Politiker oder der Polizei mit den Menschen etwas erfahren will, oder über die Speisen, die Farben der Kleider, die Lebensweisen der Russen, der schaut nicht in Geschichtsbücher, sondern liest die Romane von Dostojevski und Tschechow. Und weil der Revolutionsführer das so genau weiß, fallen ihm auch Romane und Erzählungen in viel größerer Zahl zum Opfer als andere Bücher.

Über meine Schreibwerkstätten an Universitäten in den USA, Kanada und Europa schrieb die regierungsnahe Tageszeitung Keihan: „Abbas Maroufi hat eine kulturelle Nato ins Werk gesetzt.“ In einem Interview mit dem Sender BBC habe ich darauf geantwortet: „Ja, hier wird mit allen Mitteln gekämpft. Ich habe eine kulturelle Nato ins Leben gerufen, um die Studenten meines Landes Schreiben zu lehren.“

Die in der Ausrottung der Buchkultur ihres Landes, im Verbot tausender Zeitungen und Zeitschriften, in der Vertreibung tausender Intellektueller, Kultur- und Literatur-Schaffender und in der Schließung hunderter Buchläden ihre größte Errungenschaft sehen, sind auch die, die einst mit großen Worten von Kulturrevolution und Freiheit angetreten waren.

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Aus dem Farsi von Jutta Himmelreich]


Posted by Abbas at 2:38 AM | Comments (0) | TrackBack

June 17, 2013



Der Iraner Abbas Maroufi in seiner Buchhandlung Hedayat in Berlin.
Foto: Privat

LITERATUR

Nimmermüder Regimekritiker: Abbas Maroufi

20 Peitschenhiebe sollte der iranische Autor Abbas Maroufi bekommen. Das war vor 17 Jahren - seitdem lebt er in Deutschland und leistet literarischen Widerstand. Für die iranischen Machthaber ein Ärgernis.

"Hedayat. Haus der Kunst und Literatur" steht zweisprachig über dem Eingang der Buchhandlung. Der Laden in der Kantstraße in Berlin Charlottenburg ist das größte iranische Buchgeschäft in ganz Europa. Quer an Buchregalen und der Buchmanufaktur vorbei kommen Besucher schließlich zu einem kleinen Raum mit Regalen. Das ist der Arbeitsplatz des Autors Abbas Maroufi. Hier, wo er jeden Abend schreibt, erzählt er bei einem Glas Tee seine Geschichte, die mit einem Abschied beginnt und bis heute bestimmt wird vom nimmermüden Widerstand gegen die Machthaber im Iran.

Die iranische Flagge weht im Wind. Im Iran wurde Abbas Maroufi gefoltert und verurteilt.

Abbas Maroufi, 1957 in Teheran geboren, war einer der angesehensten Schriftsteller im Iran, als er 1996 seine Heimat in Richtung Deutschland verließ. Als Herausgeber der Zeitung "Gardun" hatte er die politische Unfreiheit im Land und die kriminellen Machenschaften der Regierung angeprangert und war daraufhin zum Tode verurteilt worden. Später wurde das Urteil umgewandelt in "nur" 20 Peitschenhiebe, sechs Monate Haft und Publikationsverbot. Aufgrund der Intervention des deutschen Schriftstellerverbandes PEN, vor allem dank der Fürsprache von Günter Grass, gelang die Ausreise.

In Deutschland musste er von vorne anfangen

Abbas Maroufi spricht leise, ohne Aufgeregtheit in der Stimme, über die Vergangenheit. Deutschland sei ihm zu einer neuen Heimat geworden, sagt er, doch es ist eine komplizierte Beziehung zu dem neuen Zuhause. Der Exilant schreibt weiter auf Persisch, zwar beherrscht er auch das Deutsch, aber die fremde Sprache geht ihm schwerer über die Lippen. Im Iran hatte der Autor ein breites Stammpublikum, in Deutschland musste er ganz von vorne anfangen.

Im Insel Verlag sind einige seiner Bücher in Übersetzungen erschienen, seine jüngsten Romane aber hat er im eigenen Verlag auf Persisch herausgebracht. In dem Roman "Ganz besonders", den es nur auf Persisch gibt, erzählt er von einem iranischen Journalisten und Physiker, der in Berlin lebt. Es ist vielleicht sein wichtigstes, jedenfalls sein persönlichstes Buch - "ein Roman über Exil, über Liebe, über Einsamkeit".

"Es ist noch trauriger"

Eine Hand wirft einen Wahlzettel in eine Wahlurne.
(Photo credit PATRICK BAZ/AFP/Getty Images) Die Präsidentschaftswahlen im Iran finden am 14. Juni 2013 statt

Die Proteste der Grünen Bewegung hat die iranische Regierung unbeschadet überstanden. Nichts sei besser geworden im Iran, im Gegenteil, meint Abbas Maroufi, dessen Bücher in der früheren Heimat allesamt verboten sind: "Es ist noch trauriger. Die Farbe der Politik ist schwarz. Es gibt keinen weißen Punkt."

Abbas Maroufi ist kein Agitator, kein Rebell, er hat etwas vornehm Zurückhaltendes. Und doch ist er für die heute Mächtigen im Iran ein Ärgernis. "Ganz egal, was in der Politik passiert, ob diese Regierung oder eine andere an der Macht ist. Wir müssen immer neue Bäume einpflanzen, das ist unsere Aufgabe." Das bedeutet für ihn, "jeden Tag 14 Stunden zu arbeiten". Ein gewaltiges Pensum, denn Abbas Maroufi versteht sich selbst zwar vor allem als Schriftsteller, aber er ist auch Buchhändler, Verleger, Lektor, Drucker und Lehrer.

"Wir sind gezwungen, im Ausland zu leben"

Der Iraner Abbas Maroufi in seiner Buchhandlung Hedayat in Berlin.
Foto: PrivatMaroufis Buchhandlung "Hedayat" in Berlin

Aus der Traurigkeit ist Literatur geworden. Abbas Maroufi hat nicht resigniert, er hat sein Leben, so wie es ihm aufgezwungen wurde, angenommen. "Alle Fenster sind offen zum Iran", sagt er und erzählt von engen Kontakten zu anderen iranischen Schriftstellern, von Studenten im Iran, mit denen er über das Internet kommuniziert, von seinem Unterricht an Universitäten in Kanada und den USA. "Im Iran zu leben, ist sehr schwer. Viele Schriftsteller sind im Ausland, viele möchten ausreisen. Alle haben ständig Probleme mit der iranischen Regierung". Es gebe mehr als fünf Millionen Iraner in der Fremde. "Wir haben keine andere Wahl, wir sind gezwungen, im Ausland zu leben. Wenn unser Land uns einmal wieder liebt, kommen wir zurück." Am 14. Juni finden im Iran Präsidentschaftswahlen statt. Gebraucht werde nach seiner Ansicht ein Mann, der zu einer Brücke wird für diejenigen, die weggegangen sind.

Ein solcher Mann ist nicht in Sicht. Aber deshalb aufgeben? "Man lebt nur durch die Hoffnung", sagt Abbas Maroufi. Wer wüsste es besser als er.

http://www.dw.de/nimmerm%C3%BCder-regimekritiker-abbas-maroufi/a-16844375

Posted by Abbas at 4:40 PM | Comments (0) | TrackBack