January 8, 2012

Kultur im Iran

2011 — ein höllisches Jahr für Kunst und Kultur im Iran

Nachrichten über den Kampf der iranischen Regierung gegen alles „Unislamische“ seien im Jahr 2011 im Schatten des Atomkonflikts untergegangen, so der in Berlin lebende iranische Schriftsteller und Verleger Abbas Maroufi. In seinem Gastbeitrag für TfI schreibt er: Iranische Kulturschaffende und Künstler durchlebten zurzeit „eine schreckliche Hölle“.

Abbas Maroufi

 

Wir beginnen das Jahr 2012 mit einer riesigen Wut gegen die für Kultur Verantwortlichen im Iran. Eine der letzten Nachrichten zum Thema Kultur im Iran aus dem Jahr 2011 lautete: Mehr als 100 Teheraner Buchhandlungen mussten schließen. Dafür gibt es viele Gründe: Gefragte Bücher sind vergriffen und werden nicht mehr verlegt. Die Buchpreise werden ständig erhöht – was hauptsächlich auf der ständigen Erhöhung der Papierpreise beruht. So bleiben die Kunden weg. Zudem werden Buchhändler von Sicherheitsbeamten schikaniert. Viele Buchhandlungen mit Café-Betrieb mussten ihre Cafés auf Druck von Sicherheitskräften schließen. Orte, die unbeaufsichtigt von den Moralaposteln als Begegnungsstätten für Jugendlichen dienen könnten, sind nicht genehm.

In der Nachricht über die Schließung der Teheraner Buchhandlungen stand auch, dass die berühmten Bücherzeilen der iranischen Hauptstadt mehr und mehr von Juwelieren und Bekleidungsgeschäften okkupiert werden.

Bücher im Exil

Im Jahr 2011 gehörten solche Meldungen zur Normalität; ebenso wie die Nachricht, dass das iranische Kulturministerium die Veröffentlichung von mehr als 5.000 Büchern ganz verbot. Herausgeber und Schriftsteller wissen schon, wann es keinen Sinn mehr hat, auf dessen Erlaubnis zu warten. Viele Schriftsteller entschließen sich deshalb, ihre Werke im Ausland zu veröffentlichen. Bald werden in den persischsprachigen Buchhandlungen unserer Exilländer Bücher zu sehen sein, deren Schöpfer im Iran leben. Bis jetzt sind sozialkritische Autoren ins Exil gegangen – nun gehen ihre Bücher ins Exil. Dieses Phänomen ist an sich nichts Neues: Man denke an Bulgakov, der das Gleiche tun musste. Doch dass Schriftsteller sich gleich kollektiv entscheiden, im Ausland zu veröffentlichen, ist neu – und eine nationale Katastrophe, die 2011 im Iran begonnen hat.

Die Statue des mythologischen Bogenschützen Arash in Sari verschwand in einer Nacht.

Die Statue des mythologischen Bogenschützen Arash in Sari verschwand in einer Nacht.

Auch viele Schauspieler, Regisseure und Filmemacher blieben im Jahr 2011 zuhause und machten keine Filme mehr. Denn die Zensur lässt Filmschaffenden keine Luft zum Atmen. Zugleich wurden bekannte Gesichter aus der Literatur– und Filmszene davon abgehalten, auf internationalen Bühnen oder Podien zu erscheinen. Die bekannte Dichterin Simin Behbahani etwa, 2011 zum Tirgan-Kunstfestival in Toronto eingeladen, durfte nicht daran teilnehmen. Sie sagte mir, dass ihr Pass eingezogen worden sei und sie deshalb nicht ausreisen konnte. Behbahani schickte eine Video-Botschaft an die Festival-Teilnehmer und entschuldigte sich für ihre Abwesenheit.

Offene Zensur

Die Verantwortlichen im Ministerium für Kultur und islamische Führung des Iran ermahnten die iranischen Schriftsteller 2011 ganz offiziell, beim Schreiben „die vorgegebenen roten Linien“ zu beachten und so zu schreiben, dass sie eine Erlaubnis zur  Veröffentlichung auch erhalten würden. Es wird also immerhin mit offenen Karten gespielt und nichts mehr versteckt. In früheren Jahren wurden die Zensurrichtlinien den Herausgebern nur mündlich mitgeteilt, um nach außen den Schein zu wahren. Heute gibt es sie offiziell.

Vom antiken Denkmal zum Parkhaus

Im gesamten Kulturbereich ist die Bilanz der Verantwortlichen für das Jahr 2011 schändlich. In einigen Städten Irans wurden Statuen vernichtet oder versteckt. In der Stadt Sari verschwand die Statue des mythologischen Bogenschützen Arash, die auf einem Wagen mit vier Pferden stand, in einer Nacht. Die Behörden wollen damit nichts zu tun gehabt haben. Die Fassadenmalereien zu den mythologischen Geschichten des großen iranischen Epos Schahname in Meshed wurden über Nacht mit Farbe überdeckt. Nachrichten über Zerstörungen alter Gebäude wie etwa einer kunstvollen öffentlichen Badeanstalt aus der Zeit der Safaviden (1501–1722), die in ein Parkhaus verwandelt wurde, oder die Nachricht vom nächtlichen Abriss einer alten Kirche in Kerman, gingen im Schatten des Atomkonfliktes unter.

Dabei sind die Verantwortlichen des islamischen Regimes anscheinend mehr als je zuvor entschlossen, alle kulturellen und historischen Verbindungen zur nichtislamischen Vergangenheit zerschneiden zu wollen. Sie schrecken vor nichts zurück. Selbst literarische Denkmäler wie das 1.000 Jahre alte Buch „Khosro und Shirin“ des großen iranischen Dichters Nezami blieben nicht verschont. Der Herausgeber wurde angehalten, die Liebesszenen aus dem Werk zu entfernen! Das ist die ideologische Bekämpfung der iranischen Kunst und Kultur. Zu Recht sagen die iranischen Kulturschaffenden und Künstler also, dass sie zurzeit eine schreckliche Hölle durchleben.

von Abbas Maroufi

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August 25, 2011

Maroufi: „Sie werden auch den Koran zensieren“

Maroufi: „Sie werden auch den Koran zensieren“

Von: Abbas Maroufi
Im Iran herrscht zur Zeit eine rigide Zensur: In mehreren Städten werden Kunstwerke, Skulpturen und Denkmäler abgerissen, Werke iranischer Historiker, Schriftsteller und Dichter werden zensiert. Nun trifft es auch die klassischen Werke. In seiner Abhandlung zur islamischen Zensur kommt der zeitgenössische iranische Schriftsteller Abbas Maroufi zu dem Schluss, dass „die Klinge der Zensur“ auch das heilige Buch  der Muslime, den Koran nicht auslassen werde. – Ein Gastbeitrag
 
Die Kriegsmaschine der Islamischen Regierung ist blind und hört nichts außer dem schrecklichen und furchteinflößenden Getöse ihrer eigenen Räder. Tag und Nacht ist sie unterwegs, um nach Belieben Kultur, Literatur und Kunst zu beschneiden, manches davon abzureißen und in den Abfall zu werfen. Erst vor wenigen Tagen wurde in Kerman eine alte Kirche über Nacht zerstört.
Diese Zerstörungspolitik gegen Kultur und Kunst ist immer ein Markenzeichen des islamischen Regimes gewesen. Freilich hat sich ihr Gewand während der letzten 32 Jahre, in denen mehrere Regierungen mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen  das Land regierten, ständig geändert.
Während der Amtszeit des Ex-Präsidenten Hashemi Rafsanjani wurden massenhaft Presseagenturen geschlossen und Presseaktivitäten unterbunden. Auch ich war ein Opfer dieser Zeit. Einmal wurde einer meiner Kulturzeitschriften gemeinsam mit 47 anderen Zeitschriften die Lizenz entzogen. Mein Redaktionsbüro wurde mehrmals überfallen. Einmal wurde ich wegen der Verleihung des von mir initiierten Literaturpreises „Goldene Feder“ in der Nacht auf offener Straße angegriffen und verprügelt.
Schließlich wurde ich im Winter 1996 wegen Verfassens und Veröffentlichens meiner Kulturzeitschrift „Gardun“ (Himmelsgewölbe) zu Gefängnisstrafe, Peitschenhieben und Berufsverbot verurteilt. Meine Zeitschrift samt Verlag wurde für immer eingestellt. Am gleichen Tag  hatte ein Geschworener des Kulturgerichtshofes gesagt: „Neben Gardun haben wir vor, 100 weitere Zeitschriften zu schließen.“
Während dieser Zeit erlebten viele Schriftsteller solche Schicksale. Der bekannte Schriftsteller Houshang Golshiri sagte mir: „Bis jetzt habe ich meinen Mörder drei Mal gesehen!“
Die sogenannten Kettenmorde, denen vor allem oppositionelle Intellektuelle zum Opfer fielen, sind in dieser Zeit geschehen. So wurde zum Beispiel der Schriftsteller, Journalist, Historiker, Universitätsprofessor und Koran-Übersetzer Ali-Akbar Saidi Sirjani verhaftet und im Gefängnis ermordet.

Zensur unter den Reformern
Während der Amtszeit von Mohammad Khatami wurden viele Zeitschriften veröffentlicht und gesellschaftliche Freiheiten teilweise wieder hergestellt. Trotzdem wurden weiterhin Bücher zensiert.
Obwohl Khatamis Regierung mit den Hardlinern in den eigenen Reihen in Konflikt stand, übte sie selbst Zensur aus. Zwar sind viele Bücher veröffentlicht und viele Filme produziert worden, doch auch diese Regierung wollte nicht auf Zensur verzichten. Sie übte zwar keine Gewalt aus, zensierte aber Bücher auf eine äußerlich freundliche Art. In dieser Zeit wurde auch ein Roman von mir zurückgewiesen.

Amtszeit von Ahmadinejad
Auf diesem Sockel vor dem Teheraner Stadttheater stand einst die Statue des Dichters Shahriar. Doch sie verschwand über nacht.
Mit dem Amtsantritt von Mahmud Ahmadinejad wurden wir zurückkatapultiert in die Zeiten der  Revolution. Eine Ära des Chaos, wilder Parolen und leerer Versprechungen hat begonnen. Ahmadinejads Regierung hat offiziell alle Verlagslizenzen, die während der Amtszeit seines Vorgängers erteilt wurden, für ungültig geklärt. Um eine neue Lizenz erteilt zu bekommen, mussten die Verleger zuerst die Lizenzen der vorherigen Regierung wieder zurückzugeben.
Alles, was die Verleger in den letzten Jahren erreicht hatten, wurde damit wieder zunichte gemacht!
In den sechs Jahren von Ahmadinejads Amtszeit sind wiederholt Skulpturen aus Großstädten mit Bulldozern und schweren Werkzeugen entfernt und an einen unbekannten Ort gebracht worden. Viele dieser Skulpturen bildeten die Helden des alten Iran ab. Und während Ahmadinejad Skulpturen zerschlagen lässt, zensiert und eliminiert sein Kulturminister Bücher und Literatur mit großer Intensität und Schnelligkeit.
In den letzten Jahren sind Tausende von Schriftstellern, Dichtern, Malern, Bildhauern, Musikern und Journalisten aus dem Iran geflohen. Heutzutage können zwar politische Nachrichten durch die Medien und das Internet in den Iran gelangen, aber für Literatur und Kunst ist das sehr schwierig geworden. Nach Angaben iranischer Verleger warten mehr als 5.000 Bücher — die meisten von ihnen schöpferische Literatur — seit Jahren auf eine Veröffentlichungsgenehmigung.

Klinge der Zensur am Hals der klassischen Literatur
Seit Jahren beschränken Kulturpolitiker der islamischen Regierung nicht nur zeitgenössische, sondern auch die klassische Literatur. Manchmal werden Änderungen in uralten Büchern vorgenommen, oder die Verleger werden aufgefordert, dies selbst zu tun. Und manchmal werden sogar solche Bücher für nicht druckfähig erklärt.
Dieses Jahr waren zwei Meisterwerke betroffen: „Bijan und Manijeh“ und „Khosrow und Shirin“.
Eines handelt von der Liebesgeschichte zwischen Bijan und Manijeh — eine Geschichte aus dem Firdausis Shahnameh (Buch der Könige – geschrieben vor mehr als 1000 Jahren; A. d. R.). Hier musste der Verleger selbst Hand anlegen und den Liebesteil herausschneiden.
Einem anderen Verleger wurde verordnet, die Liebesgeschichte „Khosrow und Shirin“, die Nezami Ganjavi, ein bedeutender Vertreter der persischen Literatur, vor 800 Jahren geschrieben hat, abzuändern.
Letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse habe ich Ahmadinejads Zensurbeamten gesagt: „ Bald werden Sie sogar den Koran zensieren!“
Im Koran wird die Geschichte vom Prophet Josef und Zoulikha sehr romantisch dargestellt.
Hier handelt es sich nicht um Phantasie und Geschichten von Nezami Ganjavi oder Firdousi, sondern um das Wort Gottes! Aber das kümmert die Zensoren wenig. Sie sind in der Lage, auch Gott selbst anzugreifen und sein heiliges Buch zu zensieren.
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October 3, 2007

Notes from a bleak life

 

Review by Adrian Turpin

 

Published: September 29 2007 00:50 | Last updated: September 29 2007 00:50

 

Symphony of the Dead

By Abbas Maroufi

Aflame Books £8.99, 272 pages

FT bookshop price: £7.19

 

In this print-on-demand age, it’s remarkable how much writing still fails to cross international borders. Abbas Maroufi’s first novel, Symphony of the Dead, was published in Iran in 1988, and immediately acclaimed as a masterpiece. But this new translation marks his Anglo-Saxon debut. Only in Germany, where Maroufi has lived in exile since 1996, after being accused of “insulting eminent revolutionaries and Islamic values”, has this book been rendered from Farsi.

 

At its simplest, this is the tale of a dysfunctional family living in the provincial town of Ardabil in the years after the second world war. Djerban, the patriarch, bullies his children and submissive wife. His eldest son, Yousef, is disabled after jumping from a window. Ideen, who wants to be a poet, succumbs to madness under his father’s brutality, while Ideen’s twin sister, Ida, is marginalised. Only the youngest son, the sly, money-loving Urhan, thrives in this domestic tyranny, devoting his energies to the family business while harbouring murderous thoughts about his siblings.

 

What distinguishes the book from a typical domestic saga, however, is its structure. Based on symphonic form, with different narrators for each movement, it switches back and forth between first- and third-person with no warning. That can be an effective device in a story so concerned with memory. But it’s also exasperating to have to re-read key passages, trying to work out who did what to whom. (More footnotes explaining culturally specific references would also have been welcome.)

 

Does this matter? Not if you’re patient and can relax into the stream of consciousness. What lingers is a series of apocalyptically bleak impressions – ravens in a ferocious winter, a shallow forest grave – punctuated with rare moments of connection. Symphony of the Dead may not be the most comforting take on human nature, but in that sense of desolation lies something austerely grand.

 

Copyright The Financial Times Limited 2007

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July 1, 2007

the thirst for liberty

Exiled from Iran: the thirst for liberty

The Iranian community are well integrated in Europe, and they remain unanimous in their desire that Iran respects human rights
The struggle for human rights (Parastou Forouhar)
Berlin, Wilmersdorf. In this chic area of the German capital, an Iranian store has bread, rice, pistachios, dates and fresh spices on display. Hidden amongst the fruit you can also find Iranian music and books. People come here to buy a taste of their homeland, to talk and gossip. In this small store, everybody knows everybody.

A few streets further on, in a small Iranian bookshop,
Abbas Maroufi, one of the best known Iranian writers, is seated at a table next to a telephone. An affable man, he gives me a nod as I enter. In Iran, his magazine, Gardoun (the vault of the sky), was an important voice of criticism against the government until it was banned in 1991. However, his articles criticising the system of power in Iran attracted the anger of the authorities. Maroufi was sent to prison on several occasions. After his last arrest in 1996, he fled Iran; he is currently in exile in Germany. According to Maroufi, it is unacceptable that Tehran can acquire nuclear weapons while not respecting human rights inside of Iran. Some of his compatriots agree with him. Last April, a group of twenty Iranians chained themselves to the Iranian embassy in Berlin, chanting, “No nuclear power for Iran.”

Close to 120,000 Iranians live in Germany. Many of them left Iran after the revolution in 1979. However, they do not live a cloistered existence: there is neither an Iranian enclave, nor an Iranian area of Berlin. This also applies to the rest of Europe – where the Iranian community seems to be perfectly integrated. The principle reason for this thriving existence is the high degree of heterogeneity within the Iranian community. There are a number of cultural organisations, and there are political groups, both supporters and opponents of the regime. According to the Iranians in exile, there are not just doctors, engineers and businessmen in exile, but also artists, all thriving within a community that looks out and speaks to the other communities in Europe.


Abbas Maroufi is a part of this last group. He explains that even if he is giving a precise opinion about the political situation in Iran, he is above all a writer. In his magazine, there is a huge variety of work: well known Iranian poets jostle with comic book authors;
Rumi has to fight for space with comic books like Persepolis by Marjane Satrapi.

Persepolis tells the tale of Satraipi: a young girl suffering under an oppressive regime in Iran who is sent to Austria at the age of 14 to escape the Iran-Iraq war. The heroine of the book goes home at the end of the war, but leaves Iran definitively at the age of 18: her thirst for liberty too great to allow her to stay at home. Today, the illustrations of this Paris-based artist are well known throughout the world. Marjane Satrapi illustrates for Libération in Paris and the New York Times. Her compatriot, the Frankfurt based conceptual artist
Parastou Forouhar, has also been a victim of human rights abuses in Iran. Her parents, opponents of the regime, were assassinated in 1998. In her work, Forouhar underlines the importance of fighting for liberty in her country; struggling for the rights of women.

The enemy Ahmadinejad

The new president,
Mahmoud Ahmadinejad, has defied the international community with his nuclear program and calls for the destruction of Israel. He remains the spectre that haunts most Iranians in exile. “And to think this pathetic man represents our beautiful country” Forouhar says indignantly. Bahman Nirumand, a renowned writer, formulates this is a more elegant manner, but the message remains the same. After Ahmadinejad became President, he wrote in the German politics magazine Cicero, that Ahmadinejad would be a head of state with “politically untested, completely radical ideas far removed from reality.” Abolhassan Bani Sadr, the first president of the Islamic Republic, who is in exile in France, is more extensive in his critique. In a televised interview, he gave “nine reasons to say that the presidential elections do not bode well.”

Maryam Namezie uses information in the public domain to support the struggle for human rights. On her blog, she denounces the arrests of opposition members and journalists in Iraq. Nevertheless, she categorically refuses the idea of a second military intervention. We must not have a “second Iraq,” she writes. She does not hesitate to address herself directly to the American secretary of state, Donald Rumsfeld: “If someone can bring liberty, equality and prosperity to Iran, it is certainly not you. It can only come about through a revolutionary movement in Iran that fights for the fall of the Islamic Republic.” The German-Iranian journalist Navid Kermani, in an article for the Süddeutsche Zeitung, has also signalled the risks of an attack on Iran: he claims it would simply reinforce the regime of the Mullahs. At a protest during the Easter holidays, Bahman Nirumand was explicit. “No new war in the Gulf, no war against Iran.”

The situation remains tense. Ahmadinejad has announced that he will go to Germany in June for the World Cup, which sees the participation of the Iranian national team. His presence is undesirable in the eyes of both the Jewish and the Iranian communities in Berlin. Mahmoud Rafi clarifies the situation: “If Ahmadinejad comes here, he will face a wave of massive protests.”
Maryam Schumacher - Berlin - 22.5.2006 | Translation : Joshua Craze
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January 26, 2006

„Jeden Baum, den wir hier aufziehen, bewässern wir, um ihn eines Tages in die Erde der Heimat z

Author: Roman Seidel

English
stiller@hkw.de

Der iranische Schriftsteller, Publizist und Dissident Abbas Maroufi mit seinem 1989 erschienenen Roman „Samfoni-ye mordegan“ (Symphonie der Toten) literarischen Ruhm und machte sich als Herausgeber der kritischen Kulturzeitschrift „Gardun“ einen Namen. 1996 wurde die Zeitschrift wegen ihrer systemkritischen Haltung verboten und Maroufi zu sechs Monaten Haft und 20 Peitschenhieben verurteilt; seine Werke durften in Iran nicht mehr erscheinen. Seine Literatur zeichnet sich durch einen anspruchsvollen Erzählstil mit häufigem Wechsel der Zeit- und Erzählebenen aus. Er lebt heute mit seiner Familie in Berlin, wo er einen Buchladen für persische und orientalische Literatur betreibt und als Schriftsteller tätig ist.   

"Ich bin nie parteilich oder politisch tätig gewesen. Aber in einem Land, in dem das Herauslugen der Haarsträhne einer Frau oder das Tragen eines kurzärmligen Hemdes als politischer Akt gilt, bin ich politisch ausgesprochen aktiv gewesen. Ich habe mit der Zensur gekämpft, habe für die Freiheit des Wortes gefochten, habe in meiner Zeitschrift die Diskussion um (die Wiederbelebung) des Schriftstellerverbandes angestoßen, habe einen Literaturpreis vergeben, habe den Größen der Literatur Ehrfurcht erwiesen und den Jungen des Fliegen beigebracht, all das ist kulturelle Arbeit. Ich habe die dunklen Seiten der Gesellschaft aufgezeigt, ein Bild vom verfaulten Gebiss der Gesellschaft gemacht (...) und schließlich so viel Prügel eingesteckt, dass ich alle Zähne meines Oberkiefers verloren habe. (...) Bei alle dem bin ich ein Schriftsteller und werde immer ein Schriftsteller bleiben."

Diese Sätze, die der iranische Autor und Intellektuelle Abbas Maroufi Ende 2003 in einem Interview der in Teheran erscheinenden kritisch-reformorientierten Zeitung „Sharq“ (Osten) äußerte, könnten geradezu als allgemeines Kredo der engagierten Kulturschaffenden Irans verstanden werden. Und Abbas Maroufi kann man fraglos einen ihrer prominentesten Vertreter nennen. Maroufi hat oft betont, dass er die Literatur als Selbstzweck versteht, doch wo die Freiheit des Wortes von oben beschränkt wird, wird der Literat unweigerlich politisch, oder er verstummt. Damit steht Maroufi in der über hundertjährigen Tradition der engagierten modernen Literatur Irans, in der die Schriftsteller – sei es unter den Qadscharen-Herrschern, unter der Pahlavi-Diktatur oder in der Islamischen Republik – in ihrem Schaffen beschnitten und verfolgt wurden. 

Begegnung mit der Literatur

Schon als Schüler begann Abbas Maroufi sich für Literatur zu interessieren, doch erlaubte ihm seine Familie nicht, den geisteswissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums zu besuchen. Daher machte er sein Abitur mit mathematischem Schwerpunkt. Mitte der siebziger Jahre veröffentlichte Maroufi seine ersten Erzählungen in Literaturzeitschriften. Kurz nach dem Erfolg der Islamischen Revolution in Iran 1979 begann er sein Studium der dramatischen Literatur.

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July 20, 2005

In den Vorzimmern des Todes

16. Juli 2005, Neue Zürcher Zeitung 

In den Vorzimmern des Todes 

Ein Blick in die Romanwelt des Iraners Abbas Maroufi

Als leichte Kost können die Romane des seit 1996 im deutschen Exil lebenden Abbas Maroufi nicht gelten. Eine verschattete Bildwelt und in einem schwankenden Zeitgefüge verankerte Erzählstrukturen spiegeln die Innenwelten von Menschen, die an sich selbst, im nun auf Deutsch erschienenen Roman «Im Jahr des Aufruhrs» aber auch an einem zwischen Tradition und Moderne zu Bruch gegangenen Staatswesen leiden. 


Von: Angela Schader

«Symphonie der Toten» hiess Abbas Maroufis im Original 1989 erschienener Erstlingsroman; und im Todesschatten gelegene Zwischenreiche, wo Verstörung und Zerfall, Gewalt und glücklose Leidenschaft regieren, entwarf der 1957 geborene iranische Autor auch in den zwei folgenden Romanen, die mit der Übersetzung von «Im Jahr des Aufruhrs» nun ebenfalls auf Deutsch vorliegen. Für den Schriftsteller dürften die von Anneliese Ghahraman-Beck mit Sorgfalt übertragenen Bücher zumindest ein schmales Fundament für die Existenz im Exil bedeuten: Als Herausgeber einer kritischen Literaturzeitschrift wurde Maroufi 1996 in Teheran vor Gericht zitiert und entkam der drohenden Haft- und Prügelstrafe nur dank internationalen Protesten; unmittelbar danach setzte er sich mit seiner Familie nach Deutschland ab.

KAIN, ABEL UND ANDERE VERLORENE
Greift man einige Jahre nach der ersten Lektüre wieder zur «Symphonie der Toten», ist man zunächst erstaunt, dass das Buch - im Verhältnis zu den gespeicherten Leseerinnerungen - mit 350 Seiten nachgerade schmal in der Hand liegt. In der Zeit zwischen den vierziger und den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts angelegt, transponiert der Roman den Zwist von Kain und Abel nach dem im Norden Irans gelegenen Ardebil und ins Haus des Patriarchen und Kaufmanns Djaber Urchani. Einzig Urhan, der jüngste seiner drei Söhne, ist nach dem Bild und dem Geschmack des Vaters geraten: geschäftig, materialistisch und berechnend. Aidin, dem brillanten und dichterisch begabten Zweitgeborenen, kann auch die zweimalige Verbrennung all seiner Bücher und Manuskripte den Widerstandsgeist nicht austreiben - im Gegensatz zu seiner Zwillingsschwester Aida, die, zum «Schutz» vor ihrer eigenen Schönheit und Eigenwilligkeit in die Küche verbannt, in einem Nebel von Depression und Schmerzen vegetiert. Yussof, der geistig etwas zurückgebliebene Älteste, möchte schweben wie die Fallschirmspringer, die 1941 als Vorhut der russischen Besatzer in Ardebil landen - und wird durch den schauerlich missglückten Versuch zu einem Stück stumpfer Biomasse reduziert.
Diese Schicksale, in deren Zentrum das fatale und in unerwarteten Wendungen fortschreitende Ringen zwischen Aidin und Urhan steht, entwickelt der Roman in einem vielschichtigen Geflecht, dessen Bindungskraft ungleich stärker wirkt als die abweisende Schroffheit der einzelnen Motive. So wird Urhans negatives Profil differenziert, indem ihm auch das quälende Bewusstsein der eigenen Inferiorität gegenüber dem schönen, rebellischen Bruder eingeschrieben ist; zudem zeigt ihn die Rahmenhandlung des Romans unterwegs in einer übermächtigen, frostkalten Bergwelt, und man ahnt, dass dies Urhans letzter Gang sein wird. Umgekehrt lässt Maroufi Aidin nicht zur Statur des Heroen heranwachsen: Unsicherheit und Unstetigkeit unterhöhlen seinen Lebenswillen, das Verlangen nach der versagten väterlichen Liebe treibt ihn immer wieder in den verhängnisvollen Bannkreis des Elternhauses zurück. Um das Familienensemble entfaltet sich eine reiche, manchmal mit scharfem Strich gezeichnete soziale Topographie; und die nur schwebend und bruchstückhaft skizzierte Liebesgeschichte zwischen Aidin und der armenischen Christin Ssurmeh lässt ein sanfteres, doch nie rosig eingefärbtes Licht über einige Passagen des Romans fallen.
Im dritten Satz - wie Maroufi die Segmente seiner «Symphonie» überschreibt - scheint Ssurmeh Aidin auf dem Weg zum Kontor des Vaters zu beobachten. Immer wieder drängt sie sich in die Gedanken des Geliebten, wo sie mit dem Bild der inzwischen verstorbenen Aida um Platz und Aufmerksamkeit zu ringen hat - so dass man ahnt, was sich am Ende des Kapitels bestätigt: Auch Ssurmeh lebt nicht mehr. Ähnlich wird Nuscha, die Protagonistin des nun auf Deutsch vorgelegten Romans «Im Jahr des Aufruhrs», Jahre nach ihrem Tod vor dem Auge einstiger Bekannter Gestalt annehmen: eine lichte Erscheinung aus finsterer Zeit, die allmählich schon in den Raum der Märchen und Sagen zurücktritt.
EIN LAND IM UMBRUCH
Nicht tausendundeine, sondern nur sieben Nächte dauert jedoch «Im Jahr des Aufruhrs»; und nicht vom Überleben, sondern vom Sterben der Heldin erzählt der Roman, wobei abwechslungsweise die in fiebriger Agonie zwischen Vergangenheit, Gegenwart und den Vorposten des Totenreichs schweifende Protagonistin und ein aussenstehender Erzähler das Wort übernehmen. Mit dem Stimmenwechsel ändert sich auch der Fokus: Während Nuscha aus der Intimität - und Eingeschränktheit - des Frauen vorbehaltenen Raums heraus spricht, öffnet sich in den alternierenden Passagen das Panorama einer durch und durch zerrütteten Gesellschaft, die im Widerstreit der Kräfte von Moderne und Tradition, Eigenem und Fremdem, Misere und Arroganz jeden Zusammenhalt verloren hat. Der Handlungsschwerpunkt des Romans liegt in den Jahren zwischen 1937 und 1941; der Zeit also der von Reza Schah Pahlevi insistent und gelegentlich mit Zwang vorangetriebenen industriellen und gesellschaftlichen Reform Irans und der Weltkriegswirren, die sich im August 1941 in der Besetzung des Landes durch britische und russische Kräfte niederschlugen.
Der Blick auf die nationale und globale Grosswetterlage ist in der Provinzstadt Ssangssar, dem Handlungsort des Romans, freilich unmöglich: Zu sehr ist man absorbiert von undurchsichtigen Konflikten, deren Akteure auch für den Leser mehrheitlich im Halbschatten bleiben. Wer sind, was wollen die Rebellen, die vom Reduit der «Ketzerburg» aus die von Teheran herangeführten staatlichen Truppen niedermachen wie lahme Rebhühner? Wie überlagern oder kreuzen sich die Verantwortlichkeiten des Militärs mit denen von Hauptmann Khosrawi, der in Ssangssar selbst eifersüchtig über seine Vormachtstellung wacht und als Monument derselben auf dem Hauptplatz einen mächtigen Galgen errichtet? Wie lange vermag Mirsa Hassan, der Vorsitzende des Stadtrats, zumindest noch den eigenen Anstand gegen die um sich greifende Gewalt und Anarchie zu verteidigen? Warum kann der umtriebige Gottesbote Rasmara den Stadtbewohnern weismachen, sie hätten bis dato nicht gen Mekka gebetet, sondern nach dem sündiger Vielgötterei huldigenden Indien hin, oder gar - Allah behüte - in Richtung des atheistischen Russland? Und was, um Himmels willen, hat der Deutsche Malkum hier verloren, der, während die Menschen hungern, mit scheinbar unerschöpflichen Staatsgeldern eine mächtige Brücke errichten lässt, welche die «Ketzerburg» mit dem «Prophetenberg» verbinden soll - wobei nie ganz klar wird, ob eine religiöse Vision oder strategisches Kalkül hinter dem grotesken Vorhaben steckt.
SCHWARZWEISS, SCHATTIERT
Nein, klar wird bei diesem Blick in die Männerwelt nur, was sich an Nuschas Totenlager bestätigt: dass Machtgier, Impotenz und Gewalt die Menschheit im Grossen wie im Kleinen umtreiben. Eine Gegenwelt hierzu wird in der leidenschaftlichen, auch in der klassischen persischen Literatur verankerten Liebesgeschichte zwischen Nuscha und dem Töpfer Hosseina skizziert; und der Roman entgeht dabei nicht ganz den Risiken der Schwarzweissmalerei, die in einer solchen binären Konstellation angelegt sind. Maroufi baut dem zwar teilweise vor, indem er die männlichen Machtkämpfe wie einen von grell aufleuchtenden Bildern der Absurdität und der Gewalt durchschossenen, aber auch seltsam irreal wirkenden Geistertanz gestaltet, in dem kaum ein Charakter endgültig zum Bösewicht erstarren kann - ausser Nuschas Ehemann; und hier, wo die Sterbende aus ihrer Sicht mit den Geschlechterrollen abrechnet, kippt der Text auch prompt ins Klischee:
Ich erkannte, dass sich die Welt gemäss männlichem Verstand und männlicher Logik dreht, damit Männer zu Ehemännern von Frauen werden und erreichen, dass deren Gesichter Falten bekommen; wenn sie's können, machen sie ihnen ein Kind, und wenn es ihnen nicht gelingt, bringen sie sie zum Weinen. Frauen sind passive und willenlose Geschöpfe, deren ganzen Mut und deren ganze Grösse sie abtöten, um ihre Überlegenheit zu beweisen.
Spräche nicht die Anlage des Romans insgesamt dagegen, müsste man annehmen, dass Maroufi seine Protagonistin mit dieser nicht eben durch Schlüssigkeit glänzenden Aussage eher blossstellen als unterstützen will. Denn immerhin ist Nuscha nicht unschuldig an ihrer ehelichen Misere, indem sie selbst - widerwillig zwar, aber auch willenlos - Hosseina aufgegeben und eine standesgemässe Ehe mit dem Arzt Ma'ssum angesteuert hat. Dieser freilich erweist sich in der Folge als geiziger, lendenlahmer und brutaler Eheherr, der Nuscha aus Eifersucht ein qualvolles Ende bereitet.
So wie Maroufi das Schreckensbild der von Krieg und Unruhe erschütterten Stadt durch surreale Schlaglichter erhellt, bricht und verdunkelt er die Idylle zwischen den Liebenden. Von Anfang an ist Hosseina von einer merkwürdigen Aura des Todes umgeben: Beim ersten Blickwechsel erscheint er der jungen Frau wie eine Statue, bei der Wiederbegegnung - ein besonders schöner Augenblick - sieht sie in einem Spiegel eine Art Negativbild des Geliebten, dem der Tonstaub die dunklen Haare und Wimpern hell eingefärbt hat; und als sie das erste Mal bei ihm liegt, hat Nuscha «das Gefühl, gestorben zu sein, dass weiche Erde meinen ganzen Körper bedeckte».
Eine ambivalente Metapher - denn der Roman lässt keinen Zweifel, dass der erdgebundene Töpfer, und nicht der Arzt, hier der Lebensspender ist. So ist denn auch der Tod, der sich in Hosseina verkörpert, ein ganz anderer als derjenige, den der eifersüchtige Ma'ssum seiner Frau mit Hilfe eines Pistolengriffs in den Schädel drischt: Es ist die tödliche Kehrseite der bedingungslosen Liebe, die sich dem Liebenden zuwendet im Moment, da ihn die Geliebte verlässt. So wird das Schicksal des jungen Töpfers im Roman denn auch auf die nobelste und berührendste Gestalt aus Nizamis Liebesepos «Khosrou und Schirin» projiziert: auf den Steinmetzen und Architekten Farhad, der, von Schirins glücklicherem Liebhaber Khosrou um seine Hoffnung betrogen, am Leid um die verlorene Geliebte stirbt.
LITERARISCHES SPIEGELSPIEL
Wo Farhad im «Jahr des Aufruhrs» erst im Lauf der Erzählung Erwähnung findet, tritt er persischsprachigen Lesern in Maroufis drittem Roman schon auf den ersten Blick entgegen. «Peykar-e Farhad» (Das Bildnis des Farhad) heisst im Original der 1995 erschienene Roman, der auf Deutsch unter dem Titel «Die dunkle Seite» greifbar ist. Im Buch selbst freilich dominiert nicht Nizamis, sondern eine andere literarische Stimme - so sehr, dass der Roman ohne vorgängige Lektüre des Werks, auf das er sich bezieht, wohl schwer verständlich und nicht in vollem Mass zu geniessen ist. Allerdings gilt Sadegh Hedayats «Die blinde Eule» - denn um dieses 1937 erschienene Buch kreist Maroufis Roman - quasi als Grundstein der modernen iranischen Literatur, und im vielzitierten globalen Kontext ist es wohl nicht unangebracht, auch solche Werke hiesigen Lesern näher zu bringen.
Die Variation auf einen Klassiker ist stets ein heikles Unterfangen; und den Fiebertraum der «Blinden Eule» literarisch weiterentwickeln zu wollen, ist gleichermassen riskant wie reizvoll. In Hedayats Roman fixiert der Protagonist, ein opiumsüchtiger Maler, obsessiv immer wieder dieselbe Szene auf den Federkästen, mit denen er sein Brot verdient: eine grazile junge Frau in schwarzem Kleid, die, über einen Bach leicht vorgeneigt, einem zusammengekauerten Greis eine blaue Windenblüte reicht. Bis der Künstler eines Abends, aus dem Fenster schauend, auf genau diese Szene blickt - und in eine zerrüttende, wahnhafte und tödlich endende Jagd nach dem flüchtigen Bild gerissen wird, die sich im zweiten Teil des Romans als Irrlauf durch die Bruchstücke der eigenen Vergangenheit wiederholt. Freilich ist - mit Kafka, dem literarischen Vorbild Hedayats, zu reden - auch dies nur scheinbar: Denn kein Faktum ist gesichert in der «Blinden Eule» ausser der ungeschönten Qual einer durch tiefste Einsamkeit gefolterten und entstellten Seele.

PROJEKTION IN DIE GEGENWART
In seiner Variation auf Hedayats Roman schwenkt Maroufi die Perspektive um hundertachtzig Grad: Statt des Malers spricht nun die rätselhafte junge Frau im schwarzen Kleid, ein Zwitterwesen zwischen Fleisch und Bildwerk, das sich lebendig zeigen, sich aber auch in Spiegeln verbergen oder in ein Gemälde zurückziehen kann:
Ohne Herr meiner selbst zu sein, war ich mit einer Karawane aus Pinseln und Farben inmitten winziger Körnchen von Rötel, Chlorophyllfarbe, Ultramarin und Granatapfelfarbe von einer Stadt zur anderen gezogen, damit mein Bild von der Hand eines Malers auf einen Federkasten gemalt wurde . . .
Im Lauf des Romans wird Maroufi dieses wundervolle, doch ungreifbare Nebelwesen in eine zunehmend fester in der Lebenswelt verankerte Figur verwandeln - ein Geschöpf, das nicht mehr nur Sehnsuchtsprojektion des Malers ist, sondern sich von seinem Schöpfer emanzipiert. Dies gibt dem Autor seinerseits die Möglichkeit, sich von der Bindung ans literarische Vorbild zu lösen und die Handlung seines Romans zumindest andeutungsweise in die Zeit des Khomeiny-Regimes hinein zu verlängern.
Wie in der «Blinden Eule» sind auch in «Die dunkle Seite» zwei osmotisch miteinander verbundene Zeitschichten auszumachen. Die erste deckt sich hinsichtlich Zeitraum und Handlung weitgehend mit dem ersten Teil von Hedayats Roman, wobei freilich nicht nur die Perspektive gewendet wird, sondern am Ende die Protagonisten auch ihre Rollen tauschen. Während Hedayat dann im zweiten Teil des Romans auf eine frühere Zeitschicht in der Biografie seines Protagonisten zurückgreift, schickt Maroufi seine Frauengestalt in die Zukunft, wo sie ihren Bezugspunkt in den Träumen und Gedanken eines erfolglosen, suchtgetriebenen Malers sucht. Diese Figur wird einerseits als weiterer Wiedergänger des Malers aus der «Blinden Eule» kenntlich, anderseits momentweise auch an Hedayat selbst herangerückt; ein legitimer Handgriff, denn der «Blinden Eule» dürfte etliches von der Lebensqual des Schriftstellers eingeschrieben sein, der sich 1951 in Paris das Leben nahm.
HÖRIGKEITEN
Wenn die Protagonistin der «Dunklen Seite» in den gegenwartsnäheren Episoden immer wieder gemahnt wird, ihr Haar zu bedecken, dürfte klar sein, in welcher Epoche der iranischen Geschichte dieses Segment des Romans angesiedelt ist. Doch gottgefälligem Lebenswandel im Geist der Islamischen Republik entspricht weder das Schicksal der jungen Frau - Prostitution aus Not, hastig in der Toilette des Cafés gesetzte Heroinspritzen - noch dasjenige des verkrachten Malers: Er teilt mit dem Protagonisten der «Blinden Eule» nicht nur die Sucht nach Opium und Alkohol, sondern auch die sexuelle Abhängigkeit von einer geistlosen und bösartigen Frau, deren Profil sich aber immer wieder mit demjenigen der schönen Schwarzgekleideten aus dem Bild überlagert.
Dieses Hörigkeitsverhältnis gestaltet Maroufi - obwohl er ihm, dem Original getreu, ein schreckliches Ende beschert - zumindest auf sprachlicher Ebene weniger krass als Hedayat; die misogynen Ausfälle der «Blinden Eule» dürften heutigen Lesern fast nur akzeptabel sein, wenn sie als Projektionen der gemarterten Psyche des Protagonisten verstanden werden. Die unheimliche hermetische Geschlossenheit eines Wahnsystems, und damit auch die Radikalität und Dichte, die Hedayats Roman auszeichnen, hat Maroufi in seiner Variation preisgegeben: Der Blick seiner Frauengestalt übergreift ein breiteres Erfahrungsspektrum, fällt damit auch aus grösserer Distanz auf den Geliebten - wobei aber vielleicht gerade dadurch die Liebe an die Stelle der Obsession treten kann.
Erst diese sehnsuchtsvolle Schau des von seinem Schöpfer unabhängig gewordenen Geschöpfs nobilitiert den Maler - wie es der Titel der Originalausgabe andeutet - zum «Bildnis Farhads»: Doch für die Befreiung zur Individualität bezahlt die Protagonistin den Preis eines Daseins, in dem sich, wie in dem des Malers, Liebesverlangen und Einsamkeit verhängnisvoll verschränken: Nicht davor fürchtete ich mich, allein zu sterben, sondern davor, allein am Leben zu bleiben, fährt es ihr in einem Augenblick existenzieller Angst durch den Kopf. An Farhads, an Hedayats Schicksal wäre hier zu denken; aber auch an die Frage, warum Maroufi seine «Symphonie der Toten» so eindeutig im Diesseits angesiedelt hat.

Abbas Maroufi: Symphonie der Toten. Aus dem Persischen von Anneliese Ghahraman-Beck. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1998. 356 S., Fr. 18.50.
Im Jahr des Aufruhrs - Geschichte einer Liebe. Insel-Verlag, Frankfurt 2005. 320 S., Fr 41.10.
Die dunkle Seite. Aus dem Persischen von Anneliese Ghahraman-Beck. Insel-Verlag, Frankfurt 1998. 180 S., Fr. 18.40.

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May 6, 2005

Schläge auf den Kopf

Fahimeh Farsaie

Schläge auf den Kopf

TODESSUCHER*In seinem neuen Roman "Das Jahr des Aufruhrs" erzählt der iranische Schriftsteller Abbas Maroufi von der Unvereinbarkeit von Vernunft und Leidenschaft

Sieben Nächte lang dauert es, bis Nuscha, die Hauptfigur des Romans Das Jahr des Aufruhrs des iranischen Schriftstellers Abbas Maroufi, stirbt. Alle Bewohner der Provinzstadt Ssangssar im Norden Irans glauben, dass sie Aussatz hatte. Das Gerücht verbreitet ihr eigener Mann, der Arzt Doktor Ma´ssum, um sich an Nuscha zu rächen. Sie ist nämlich die einzige verwöhnte Tochter eines Teheraner Offiziers unter dem Shah-Regime, der nach Ssangssar geschickt wurde, um die politischen Unruhen dort zu unterdrücken. Man schreibt das Jahr 1941, in dem die Russen, nach dem Überraschungsangriff Hitlers auf die Sowjetunion, in Nord-Iran einmarschierten. Im August desselben Jahres drangen die britischen Truppen in den neutralen Iran ebenso ein. Das Land wurde in eine südliche britische und eine nördliche sowjetische Zone aufgeteilt. Die Landesmitte blieb "neutral". In dem Wirrwarr des Kriegs und dem sozialen Tumult verliebt sich Nuscha in einen Töpfer, Hosseina, der in Ssangssar auf der Suche nach seinen verschwundenen Brüdern ist.

Schon mit dem ersten Satz wird der Leser in Bann geschlagen, ohne dass er begreift, wovon in dem böse funkelnden Text die Rede ist: "Der Galgen warf einen langen Schatten. Bedrohlich und fremdartig. Tagsüber, nachdem die Sonne aufgegangen war, kroch er an allen Geschäften und Häusern entlang." Beim Weiterlesen stellt man fest, dass der Text keine Konzessionen an Logik und Lesbarkeit macht, obwohl die Ich-Erzählerin im zweiten Abschnitt auftaucht und die Galgen-Geschichte in das Bild unzähliger Schläge mit einer Mauserpistole auf ihren Kopf überleitet. Ihr Geschlecht lässt sich freilich nicht schnell erfassen, bis sie anfängt, sich in ihrer Erinnerung zu schminken und "ein paar Härchen an den Rändern der Augenbrauen" auszuzupfen. Dann erscheint eine weinende Frau und spricht von Hunger, Kälte, Einsamkeit und Blut. Es dauert eine Weile bis der Leser begreift, dass die Ich-Erzählerin und die weinende Frau identisch sind. Die äußere Handlung aber erzählt der Autor aus seiner Vogelperspektive. Obwohl Maroufi eher zu den konventionellen Vertretern des nouveau roman zählt, ist sein Text schwer verständlich. Ohne die Codes seines Stils zu entziffern, ist die "story" kaum zu erfassen. Damit folgt er dem Trend der modernen iranischen Literatur, die größeren Wert auf die Rätselhaftigkeit des Textes legt als auf einen dramaturgisch aufgebauten, komplexen Stoff.

So wandelt Nusha, verletzt, verlassen und verzweifelt zwischen Zeiten und Orten und versinkt in einem anhaltenden Delirium. Sie erinnert sich stets an ihren gewalttätigen, geizigen und impotenten Mann, den Arzt, Doktor Ma´ssum. Als Ehemann war er nie in der Lage, Nuschas leidenschaftliche Gefühle zu erwidern. Seine dunkle Kraft schöpfte er aus einem einzigen Gefühl, aus dem Rachegefühl, der Vergeltung an dem früheren Geliebten seiner Frau. Doktor Ma´ssum ist im Grunde das heimliche und unheimliche Triebwerk dieser Geschichte, der die unheilvollen politischen Umstände während des Zweiten Weltkrieges ausnützt, um seinen eigenen Willen durchzusetzen. Mit Gewalt und Galgenhumor begegnet und meistert er die historischen Geschehnisse zu seinen Gunsten, um am Ende seinen "Rivalen" am Galgen hängen sehen zu können. Im Roman Das Jahr des Aufruhrs geht es um Mord aus Eifersucht.

Eine andere Variation des Mordes war ebenso das Thema des 1996 auf Deutsch erschienen Romans Symphonie der Toten von Maroufi. Darin geht es um Brudermord. Die Geschichte ist so alt wie der erste Brudermord in der Welt, der im Koran (5. Sure) erzählt wird und als der Fall von Kain und Abel bekannt ist. Die Sure fungiert als Ouvertüre dieses Romans, in dem Kain Urhan heißt und Abel auf den Namen Aidin hört. Der zarte und einfühlsame Aidin, der Dichter werden will, symbolisiert die Güte, der grobe, gierige und geizige Urhan stellt das Böse dar. Ein ungleicher und makabrer Kampf, bei dem sowohl Aidin als auch Urhan verlieren.

Symphonie der Toten beginnt in einem kalten Klima und vibriert dennoch vor innerer Nervosität: An einem Winternachmittag macht Urhan sich auf die Suche nach seinem Bruder, um ihn umzubringen. Sein Motiv: Die Rettung seines mit Schweiß und Fleiß gesammelten Vermögens. Urhan ist nicht alleine unterwegs. Begleitet wird er von einer Schar von Toten. Die Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit könnte heilend wirken, Urhan erinnert sich jedoch nur an seine Verletzungen. Hass, Neid und Selbstmitleid rechtfertigen seinen Wunsch nach Vergeltung. So führen die Erinnerungen zu immer neuer Zerstörung, die jedoch den überraschten Urhan selbst treffen. Am Ende richten ihn die Kälte und seine Erinnerungen zugrunde.

Charakteristisch ist in diesem Roman nicht nur die metaphorische Erzählweise sondern seine fatalistische Deutung der Ereignisse: In jedem Satz dieser Symphonie folgt dem Bild des Lebens unerwartet das Bild eines schicksalhaften Todes auf dem Fuß. Das Aufblühen endet mit dem Abfaulen. Das Heranwachsen verwandelt sich in ein Absterben. Aidins große Liebe endet mit dem Tod seiner Geliebten, die Heirat seiner Schwester führt zu ihrem Selbstmord ...

Symbolisch Selbstmord übt auch Nuscha im Roman Das Jahr des Aufruhrs, als sie ihre Liebe zum Töpfer Hosseina aufgibt und nach Wunsch ihrer Mutter standesgemäß den Doktor Massum heiratet. Sie wird im Buch meistens in einer Sinnesverwirrung dargestellt. Wenn sie sich an ihre Vergangenheit und an ihren bewussten Zustand erinnert, ist sie voller Sehnsucht und verführerisch. Zuweilen provoziert sie etwa mit ihren "weit gespreizten Beinen" beim Sitzen die Männer und wenn diese sie sexuell belästigen und "schwer atmend" an ihre Brust fassen, schimpft sie zwar mit ihnen, deutet aber unbeeindruckt unmittelbar an: "Und ich legte beide Hände auf den Kopf, um meine Haare auszureißen, wie Weiber sich gleich Zigeunern eben aufführen." Den Zigeunern wird in iranischer Kultur nachgesagt, "sie machen viel Lärm wegen unbedeutenden und harmlosen Angelegenheiten." Nuscha reißt ihre Haare nicht aus, und als ob ihr nichts geschehen wäre, erzählt sie von empörender und heftiger Reaktion ihrer Mutter weiter. Am Ende der Episode kommt sie gelassen zur Schlussfolgerung: "Aber was soll´s."

Diese charakteristische Darstellung, die den männlichen Blick des Autors bei der Schöpfung seiner Frauenfigur markiert, wird durch die ungenaue Übersetzung relativiert: "Und ich griff mit beiden Händen in meine Haare und begann sie zu raufen, wie Frauen sich eben aufführen." Artig und lautlos führt sich Nuscha aber auf, als Ma´ssum ihr den schweren Pistolengriff auf den Kopf schlägt. "Ich hob die Arme, um die ersten Schläge abzuwehren." Dennoch stirbt sie an den Folgen dieser brutalen Schläge nach sieben Nächten, hinterlässt uns aber in Maroufis präziser Sprache, beseelt von einer dichten und spannenden Atmosphäre, die klare Botschaft der Unvereinbarkeit von Vernunft und Leidenschaft.

Abbas Maroufi : Das Jahr des Aufruhrs (Sal-e balwa). Roman. Aus dem Persischen von Anneliese Ghahraman-Beck. Insel, Frankfurt am Main 2005, 320 S., 22,90 EUR

Abbas Maroufi: Symphonie der Toten. Aus dem Persischen von Anneliese Ghahraman. Suhrkamp-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1998, 355 S., 9,99 EUR

Freitag: Die Ost-West-Wochenzeitung  11

18.03.2005


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April 20, 2005

Politik als Strafe Gottes

Das System Irans ist ökonomisch und moralisch bankrott. Nun wollen die Ajatollahs ihre Herrschaft durch die Bombe verewigen. Ist ein Krieg die letzte Hoffnung auf das Ende der Tyrannei?
(c) DIE ZEIT 17.02.2005 Nr.8
Von Abbas Maroufi


Die gegenwärtige Situation Irans ist der Endphase der Safaviden-Herrschaft (1694 bis 1722) nicht unähnlich, als das Land von mehreren Seiten angegriffen und ausgeplündert wurde, während Sultan Hussein seine Zeit überwiegend in Gesellschaft von Predigern und Haremsdamen verbrachte. Die Geisterbeschwörer hatten ihn umringt. Tempel, Kirchen und Weinschänken wurden geschlossen, verdiente Heeresführer und tüchtige Amtsträger wurden auf Befehl des Schahs vernichtet. Und die Gesellschaft wurde durch Passionsspiele, religiöse Zeremonien und durch Aberglauben an Fortschritt und wirtschaftlichem Aufschwung gehindert.
Die Bevölkerung revoltierte in einigen Regionen gegen die Regierung, tötete Tausende von Schiiten und plünderte die Städte in einem Ausmaß, dass schließlich der osmanische Sultan eingriff und einen seiner Gefolgsleute als Befehlshaber über Schwerwan im Kaukasugebiet bestimmte.
Im Süden Irans und am Persischen Golf war die Lage so unsicher, dass jeder einen beliebigen Ort plündern und sich als Herrscher aufspielen konnte. Die Bevölkerung war schutzlos. Am Ende versetzten die Afghanen Iran den vernichtenden Schlag. Eine Bande von Meuterern und Rebellen griff auf Befehl von Machmud, dem Afghanen, Iran an und eroberte die Hauptstadt. Die Zoroastrier, die über die Grausamkeit des Schahs verzweifelt waren und sich von der Herrschaft des Terrors befreien wollten, unterstützten den Angriff der Afghanen.
Der Schah schenkte dem Volk und seiner Macht keinerlei Beachtung. Während der siebenmonatigen Belagerung der Hauptstadt, bei der die Bevölkerung unter Hungersnot und Pest litt, betete er an der Seite der Prediger und erwartete das Heer der Geister, damit es gegen den Feind ins Feld ziehen würde. Als er schließlich erkennen musste, dass die Dschinnen nichts verrichten konnten und die Stadt erobert worden war, ging er persönlich zum Heerlager Machmuds des Afghanen und setzte ihm die Königskrone auf.
Isfahan, die damalige Hauptstadt Irans, besaß zum Zeitpunkt des Angriffs 110000 Einwohner. Zur allgemeinen Verblüffung schleuderte keiner von ihnen den plündernden Angreifern auch nur einen Stein entgegen. Die Menschen von Schiras und Kerman leisteten jedoch, abweichend von den Befehlen des Schahs, den angreifenden Afghanen einen derartigen Widerstand, dass Machmud getötet wurde. Und worin bestand nun das Geheimnis der 230-jährigen Herrschaft der Safaviden-Könige? Es bestand darin, dass sie angesichts des Klerus, den sie als ihren ärgsten Feind betrachteten, beschlossen hatten, selbst die religiöse und weltliche Herrschaft zu übernehmen. So wurden Religion und Regierungsgewalt in dieser Epoche miteinander vereint. Die Staatsreligion verhinderte durch ihre unumschränkte Herrschaft jede Form von Kritik und Fortschritt. Sie schuf damit zugleich die Voraussetzung ihres eigenen Scheiterns.

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March 6, 2005

Europa soll Beziehungen zu Teheran abbrechen

16.02.2005 - DIE ZEIT


Iranischer Schriftsteller Abbas Maroufi fordert: Europa soll Beziehungen zu Teheran abbrechen


Hmaburg (ots)

Der im deutschen Exil lebende iranische Schriftsteller Abbas
Maroufi
hält das System des Iran ökonomisch und moralisch für
bankrott. In der ZEIT kritisiert er die Europäische Union: "Der Iran
ist ein Skelett, das mit Hilfe des Krückstocks der Europäer
aufrechterhalten wird. Vielleicht können wir von Europa erwarten,
dass es für eine Weile auf seine wirtschaftlichen Interessen
verzichtet und seine Beziehungen zum islamischen Regime zugunsten der
Bevölkerung und der Zukunft Irans abbricht. Das ist der einzige Weg,
der einen Krieg verhindern würde."

Maroufi, einer der wichtigsten Schriftsteller seines Landes,
schreibt weiter: "Die Spitzen der iranischen Führung sind nicht
bereit, ihre Fehler einzugestehen. Sie sind auch unfähig, sich vom
Schicksal der Regierungen Rumäniens, Jugoslawiens, Afghanistans und
des Iraks belehren zu lassen. Im Unterschied zu diesen Regimen haben
sie Zug um Zug die gesamte Welt zum Narren gehalten. Sie haben es
vermocht, europäischen Journalisten weiszumachen, sie hätten
Verbesserungen bei den Menschenrechten, bei der Wirtschaftslage und
bei der Partizipation des Volkes errreicht."

"Das iranische Regime duldet weder seine inländischen Kritiker
noch die oppositionellen Gruppen im Ausland. Die Islamische Republik
duldet nicht einmal seine jungen Weblogger, wie dann die Freiheit von
Parteien", so Abbas Maroufi.

Den kompletten Beitrag der ZEIT Nr. 8 vom 17. Februar 2005 senden
wir Ihnen gerne zu.


Originaltext: DIE ZEIT
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=9377
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_9377.rss2

Pressekontakt:

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Elke Bunse, DIE ZEIT Presse-
und Öffentlichkeitsarbeit (Tel.: 040/3280-217, Fax: 040/3280-558,
E-Mail: bunse@zeit.de)

Posted by Abbas at 3:23 PM | Comments (0) | TrackBack (0)

August 17, 2004

Weshalb habt ihr nicht gekämpft?

Die Zeit,   29.01.2004
"Ihr betenden und fastenden Staatsmänner!" So beginnt ein offener Brief des iranischen Autors Abbas Maroufi an die Reformbewegung, die sich viel zu lange mit dem System arrangiert habe. "Was habt ihr aus dem Islam gemacht? Wozu ist er bei der Staatsführung nütze, außer zu Unterdrückung, Hinrichtung und Blutrache? Habt ihr etwa islamisches Brot, Strom und Wasser, Straßen und Brücken geschaffen? Wozu nützt euer Islam außer zur millionenfachen Auflage von Werken des Aberglaubens aus eurer 'moralischen Apotheke', die rasche Heilung versprechen. Weshalb habt ihr nicht den Mut zu sagen, dass ihr mit der Leiche der islamischen Republik nichts anzufangen wisst und dass ihr sie eigentlich begraben müsst?"

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Posted by Abbas at 3:37 PM | Comments (3) | TrackBack (0)

June 3, 2004

Symphonie der Toten















Diplom 2004: Dariusch Yazdkhasti
Symphonie der Toten
Nach dem gleichnamigen Roman von Abbas Maroufi






Schauspiel
Aidin und Urhan sind Söhne eines Trockenfrüchtehändlers in der nordpersischen Stadt Ardebil. Während Aidin schon als Schüler mit großem dichterischen Talent auffällt, ist Urhan ganz dem Vater nachgeraten. Früh verlässt er die Schule, um in den väterlichen Betrieb einzusteigen. Aidins Traum, in der Hauptstadt Teheran zu studieren, und Dichter zu werden, steht den Plänes des Vaters entgegen, der alle Söhne in seiner Nachfolge sehen will. Im Kampf um Selbstbestimmtheit und die eigene Identität zerstören die Brüder sich und die ganze Familie. Der Stoff umspannt in einem Panorama von über 30 Jahren die Geschichte der Familie, die inneren Fliehkräften genauso ausgesetzt ist, wie gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzungen, Kriegen und dem Widerstreit von Tradition und Moderne.







03.06.2004, 20:30 Uhr, [k2],
04.06.2004, 20:30 Uhr, [k2],
06.06.2004, 21:30 Uhr, [k2],

 

 

Posted by Abbas at 12:58 PM | Comments (0) | TrackBack (0)

May 29, 2004

Eine Lesung in persischer und deutscher Sprache

Arbeitbereich Iranistik im Asien-Afrika- Institut, zusammen


 Mit


Deutsch-Iranische Gesellschaft in Norddeutschland e.V. 


 Wir laden ein


 Zu einem Vortrag von


 Abbas  Maroufi,  Berlin


   Das Jahr des Aufruhrs


 Eine Lesung in persischer und deutscher Sprache


   Am Donnerstag, den 03. Juni 2004, um 20:00 


Uhr (Einlaß ab 19:00) im Asien-Afrika-Institut,


Edmund-Siemers-Allee 1, Flügelbau Ost, Raum 221

Posted by Abbas at 4:44 PM | Comments (1) | TrackBack (0)

May 24, 2004

Bericht von Varza` über die Grenzenlosigkeit von Wirklichkeit, Traum und Phantasie

Sonntags gegen zehn Uhr morgens, wenn ich auf der Autobahn nach Hause in die Stadt Berlin hineinfahre, sehe ich auf einer breiten Straße, über die die Autos rasen, einen Jungen mit seinem Roller die Straße überqueren. Ich frage mich, was von ihm übrig bleiben mag, wenn  ein Auto ihn anfährt. Er hat goldene Augen, trägt immer Jeans und wenn er lacht, zieht er die linke Augenbraue hoch. Er stößt mit dem Fuß ab, rollert unbedacht weiter und ich mache mir Sorgen. Die Straße mit ihren vielen Ein- und Ausfahrten zur Autobahn ist sehr breit, belebt und  abschüssig. Ständig biegen Autos ab und verlieren sich inmitten der anderen in der Stadt Berlin, wo auch ich mich jeden Tag verliere. Die ganze Nacht über habe ich gearbeitet und bin müde. Just in solchen Momenten an Sonntagen, wo ich den Jungen mit dem Roller nahe der Kreuzung erblicke, denkt jemand an mich. Selbst seine Stimme höre ich, die mit unterdrücktem Schluchzen zornig sagt: „Ich bin Varza, Sohn des Farshid, Sohn des Lohraseb Hirbod, mein Vater war Schriftsteller und ich bin Schriftsteller.“
Alles geschieht  hinter einem rätselhaften Schleier , wie mit Erde bedeckt, von Staub und Nebel verhüllt, als ob die Menschen aus einer tausendjährigen Erde hervorkämen, sich abschüttelten und
sich voller Lebensdrang und lächelnd auf den Weg machten. Alles ist die ständige Wiederholung von allem.
M. A. Sepanlou,(1) berühmter Denker und Dichter Irans, war während seiner Reise zur Berlin-Konferenz einige Tage mein Gast. Er blieb zwei, drei Nächte bei mir und hatte als Geschenk einen Bericht mitgebracht. Dieser Bericht über ein uraltes Buch nahm mich völlig gefangen, so dass ich viele Nächte danach mit Lesen verbrachte. Verwundert las ich immer wieder, legte mich schlafen, wachte auf, trank Wasser, ging auf und ab;  als wäre ich aus einem tausendjährigen Schlaf erwacht, schwebte ich in einem magischen Raum, in dem Wirklichkeit, Phantasie und Traum grenzenlos ineinander übergingen.
Vielleicht war es auch nichts von all dem.  Ein Märchen, das meine Großmutter erzählte, um die Momente meiner Kindheit zu versüßen. Was weiß ich? Ich dachte, ein Märchen, dessen Figuren ich gefühlt und gesehen habe, kann kein Märchen sein. Entweder ist es Traum oder Wirklichkeit. Phantasie ist es auch nicht, denn wenn eine Jungfrau sich einen irdischen staubbedeckten Mann herbei phantasiert, müsste sie schließlich ein mageres Kind gebären, Jesus ähnlich.(2)

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Posted by Abbas at 10:45 PM | Comments (0) | TrackBack (0)
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